Flora und Fauna
Naturschutz
Der Friedgraben ist ein inventarisierter Bachlauf gemäss dem kommunalen Naturschutzinventar der Gemeinde Bonstetten.
Der Friedgraben fliesst auf Wettswiler Grund zwischen den drei Ziegelweihern (ehemalige Ziegeleigruben) Fischbachweiher, Fridgrabenweiher und Sorweiher hindurch. Es findet kein Wasseraustausch zwischen den Weihern und dem Friedgraben statt. Der Wasserspiegel des Friedgrabens liegt weit unter denen der drei Weiher.
Der letzte Abschnitt des Friedgrabens ist bereits revitalisiert und gehört zum Naturschutzgebiet Fildern. Das Gebiet wurde als Ersatzmassnahme für den Bau der A4, 2015 aufgewertet.
Gemäss den Projektzielen soll der Friedgraben in Bonstetten naturnah ausgestaltet werden und eine gewässertypische Breiten- und Tiefenvariabilität aufweisen. Es soll eine Längsverbindung entstehen, welche ohne Verbauungen und unüberwindbare Hindernisse für die Tierwelt auskommt. Damit soll eine Vernetzung zwischen dem existierenden Naturschutzgebiet in den Fildern und dem Ausgangspunkt des Friedgrabens in Bonstetten geschaffen werden.
Ökomorphologie[i]
Der Friedgraben ist auf seiner gesamten Länge in einem künstlichen und naturfremden Zustand. Der Böschungsfuss ist beidseitig verbaut, die Gewässersohle ist mehrheitlich verbaut, es gibt keine Breitenvariabilität und die Uferbereiche sind als ungenügend klassiert. Der Bewuchs ist mindestens einseitig als gewässerfremd klassiert.
Lebensräume Pflanzen
Durch das geringe Gefälle fliesst das Wasser sehr langsam im Friedgraben. Dadurch können sich Feinsedimente ablagern und Lebensräume für Wasserpflanzen entstehen. Charakteristische Arten wie Bachbungen-Ehrenpreis oder Schilf sind nährstoffanzeigende Arten und kommen aufgrund der fetten (nährstoffreichen) Böden häufig vor.
Im unteren Teil der Böschungen, direkt angrenzend an das Gerinne kommen charakteristische Arten der Feuchten Hochstaudenflur, der Grosseggenriede und der nährstoffreichen Feuchtwiese vor. Die Hochstaudenfluren haben ihren typischen Standort nah am Wasser, direkt angrenzend an das Gerinne. Dies soll durch das Revitalisierungsprojekt auf weiten Strecken ermöglicht werden, auch mit dem Einsatz der bereits vorhandenen Staudensoden.
In der Böschung herrscht die Tafelfettwiese (Fromentalwiese, Arrhenaatherion) vor. Ist der Nährstoffeintrag und oder die Exposition entsprechend kommen entsprechende Zeigerarten hinzu (Mädesüss und Schlaffe Segge). Ist der Boden nährstoffarm und/oder trocken findet man auch Arten des Mitteleuropäischen Trockenrasens (Mesobromio) wie Aufrechte Trespe, Fieder Zwecke oder kleiner Wiesenknopf vor. Ist der Boden sehr nährstoffreich so zeigt sich das im starken Bewuchs mit Brennnessel, Schilf und blaugrüner Binse.
Für die Revitalisierung wurde als Ziele die Schaffung von nährstoffarmen Bedingungen für trockene Fromentalwiesen bis Magerwiesen festgelegt. Diese Lebensräume sind typisch für Bachböschungen.
Neben den Stauden finden sich auch vereinzelt Gehölze in den Böschungen. Die aktuelle Auswahl an Arten ist gering, zudem sind die meisten Gehölze überaltert und/oder nicht standortgerecht. Es sind dies Gehölze aus dem Mesophilen Gebüsch (Pruno-Rubio) in Form von Hoch- oder Baumhecken, Waldvegetation, Einzelbäumen und Sträuchern.
Es gibt aber auch wertvolle Ufergehölze wie die Schwarzerle und unterschiedliche Weiden. Die älteren Kopfweiden sind im speziellen zu erwähnen, denn sie sorgen mit ihren Nischen und Nahrung für wichtige Strukturen. Die Böschungen werden einseitig vom asphaltierten Friedgrabenweg begrenzt an welche intensiv genutzten Landschaften oder Vorgärten anschliessen. Auf der linken Seite grenzt das landwirtschaftlich genutzt Land an die Böschungen. Ein kleiner Abschnitt ab der Isenbachstrasse wird extensiv bewirtschaftet und ist für Subventionsbeiträge angemeldet.
Die Revitalisierung sieht vor, dass als wertvoll eingestufte Gehölze und Bäume erhalten bleiben. Neophyten[i] sollen entfernt und durch standorttypische, gewässergerechte Bepflanzung ersetzt werden. Im Bereich der Siedlung wird in Absprache mit den Grundeigentümern die Bepflanzung für den gewünschten Sichtschutz verwendet. Ebenso verhindert eine taktische Platzierung von Gehölzen, dass der Bach begangen wird.
Abgetragenes Erdreich soll – wo möglich – wieder verwendet werden.
Lebensräume Tiere
Trotz der Durchlässe (Brücken) scheint der Friedgraben fischgängig zu sein. Es wurden Forellen bis ins Dorf von Bonstetten gemeldet. Somit ist sie eine der Zielarten[i], welche in der Planung berücksichtigt wird. Die Forelle benötigt kühle Wassertemperaturen welche in Form von Totholz im Gerinne (für den Austausch mit dem Grundwasser) sowie mit einer effektiven Beschattung durch eine Gehölzbestockung an der Wasserlinie an geeigneten Stellen erreicht werden können. Damit sie im Friedgraben auch Laichen könnte benötigt sie Kiesablagerungen, was für die Aufhebung des Geschiebesammlers unter der Isenbachbachstrasse sprechen würde, damit das kieshaltige Geschiebe aus dem Isenbach in den Friedgraben eingetragen werden kann. Für alle Fische enorm wichtig ist ein beständiger Wasserfluss, weshalb die Niedrigwasserrinne entsprechen ausgestaltet werden muss.
Entlang des Friedgrabens von Bonstetten bis in die Fildern wurden verschiedene Libellenarten nachgewiesen. Sie stellen eine weitere Zielart dar, welche es in der Revitalisierung zu berücksichtigen gilt. Zu beachten sind insbesondere Gebänderte Prachtlibelle, Blauflügel-Prachtlibelle, Kleine Zangenlibelle, Südlicher Blaupfeil, Kleiner Blaupfeil und Blaue Federlibelle.
Der heimische Steinkrebs wurde in umliegenden Gewässern bereits nachgewiesen und gemäss einem Experten für Flusskrebse könnte auch der Friedgraben ein geeigneter Lebensraum werden. Flusskrebse benötigen sauberes Wasser, Unterschlüpfe oder tiefe und beruhigte Gewässerbereiche für den Rückzug.
Mit der Schaffung von Kleinstrukturen im Gewässerraum kann der Friedgraben als Vernetzungskorridor fungieren. Diese kleinen Habitate sind Lebensraum für unzählige Tiere und Teil eines Netzwerks mit Trittsteinen und Wanderkorridoren.
Gemeldete Kleinsäuger wie Braunbrustigel, Iltis, Hermelin und Fledermäuse (Braunes Langohr, Grosses Mausohr und Zwergfledermaus) finden in einem strukturierten Gewässerraum Nahrung und Unterschlupf aber auch die Möglichkeit sich mit den angrenzenden Lebensräumen am Isenbach oder den Fildern zu vernetzen und sich so in einem gesunden Genpool zu vermehren.
Als weitere Zielarten sollen die Zauneidechse und die Barrenringelnatter (ungiftig und ungefährlich) gefördert werden. Auch sie sind auf Kleinstrukturen wie Totholz- oder Steinhaufen angewiesen. Ihre bisherigen Vorkommen sind im Bereich des Naturschutzgebietes und des Bahntrasses nachgewiesen, weshalb das Potential der Förderung zwischen Ziegelweiher und Fildern – in Wettswil – am grössten ist. Für Amphibien wie den Feuersalamander stellt der revitalisierte Friedgraben eine sichere Vernetzungsroute dar. Damit sie sich vermehren können sind Aufweitungen oder Stillgewässer sowie Bereiche mit geringer Strömung und guter Deckung für die Larven unter Steinen oder Falllaub vorgesehen. Für eine durchgehende Begehbarkeit der terrestrischen Klein- und Kleinstlebewesen werden an den bestehenden Durchlässen die nötigen Anpassungen umgesetzt.
Die Revitalisierungsmassnahmen am Friedgraben zielen darauf ab, wertvolle Lebensräume für die Tierwelt zu schaffen. Ein grosser Teil der Tierarten ist in der Region bereits vorhanden und bekannt. Mit den Menschen in den Siedlungen entstehen keine Konflikte, da die angesiedelten Tiere nicht schädlich sind. Im Gegenteil, wir Menschen profitieren auch von der Revitalisierung des Friedgrabens. Wir können dann einen Raum aufsuchen in welchem, wir uns dank schattenspendenden Bäumen auch bei heissen Temperaturen aufhalten können und die Natur hautnah erleben und schätzen lernen. Auch am revitalisierten Friedgraben wird es Aufenthaltsmöglichkeiten in Form von Sitzbänken geben.
Ein grösseres Säugetier, welches in der Region bereits sehr aktiv ist, ist der Biber. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Biber sich auch ohne das Revitalisierungsprojekt im Friedgraben niederlassen wird. Deshalb wurde diese Thematik in der Planung und im Vorprojekt frühzeitig einbezogen.
Gemäss Rücksprache mit der Biberfachstelle des Kanton Zürich (Fornat AG) gibt es verschiedene Möglichkeiten, um dem Biber zu begegnen.
- Uferwege möglichst weit weg vom Gewässer anordnen – Verhinderung von Schäden durch Grabaktivitäten
- Der Einbau von Grabschutzgittern in der Böschung an kritischen Stellen
- Risiko des Rückstaus in einzelne Drainagen – Einbau einer Sammelleitung entlang des Gewässers
- Im Ereignisfall «Wasserstau» können mit der Jagdverwaltung und der Biberfachstelle konkrete Gegenmassnahmen ergriffen werden
Für das Siedlungsgebiet im Schachen sind Einstauungen zwingend zu verhindern bzw. aufzulösen. Dies aufgrund des höheren Schadenpotentials im Falle eines Hochwassers. Im Landwirtschaftsland kann auf Höhe Stegmattenweg eine Sammelleitung eingebaut werden, welche den Rückstau in die Kanalisation abfangen kann. Die Thematik rund um den Biber wird im Projekt detailliert betrachtet und ist im Projekt berücksichtigt, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Glossar
[i] Ökomorphologie beschreibt die Naturnähe und strukturelle Beschaffenheit eines Gewässers. Ein vielfältiges unverbautes Gewässer bietet einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
[i] Als Neophyten bezeichnet man Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas 1492 gezielt oder zufällig in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen. Dabei wurden die Arten über Meere oder Bergzüge transportiert, die sie ohne menschliches Zutun nie hätten überwinden können.
[i] Als Zielarten gelten lokal bis regional vorkommende, aber national gefährdete Arten, die erhalten und gefördert werden sollen und für welche die Schweiz in Europa eine besondere Verantwortung hat. Als Leitarten sind charakteristisch für eine Region und repräsentativ für einen bestimmten Lebensraum, d.h. sie kommen dort entsprechend häufiger vor als in anderen Naturräumen. Die Leitarten dienen damit als Messgrösse für die Qualität des Lebensraumes, den sie besiedeln.